„NS-Volksgemeinschaft“ und „Gemeinschaftsfremde“

In der Geschichtswissenschaft ist in den letzten Jahren über den Begriff der „Volksgemeinschaft“ erneut debattiert worden. Vieles spricht dafür, das Bestehen einer solchen Gemeinschaft nicht nur als nationalsozialistische Propaganda abzutun. So war die Loyalität vieler Deutscher zum NS-Staat größer, als es lange Zeit eingeräumt wurde. Widerwilliges Hinnehmen, die bewusste Zustimmung oder das gedankenlose Mitmachen waren verbreitete sozialer Praxis, die auch beim Einzelnen zu unterschiedlichen Anlässen auftreten konnte. Dabei wurde die Ausgrenzung der „Gemeinschaftsfremden“ vielfach akzeptiert, und nicht wenige partizipierten an Verdrängung und Enteignung.

In einer Vortragsreihe möchten wir uns an regionalen Beispielen mit der gezielten Förderung der Volksgemeinschaft und dem Verhältnis von „Gemeinschaftsfremden“ und „Volksgenossen“ befassen.

Samstag, 9. März 2019, 14.00 Uhr

Leben mit dem Lager. Gewalt, Kooperation und Erinnerung in Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen 1933 – 1960.

Vortrag von Dr. Bianca Roitsch

Bis heute symbolisieren Stacheldraht, Baracken und Wachtürme die Verbrechen in den Lagern während der Zeit des Nationalsozialismus. Zunächst mag es naheliegen, daher von einer klaren Trennung zwischen dem Inneren der Lager und ihrer Außenwelt auszugehen, doch die Forschung der vergangenen 25 Jahre hat gezeigt, dass die Lager keineswegs abgeschottet waren. Am Beispiel der Lager Bergen-Belsen, Esterwegen und Moringen kann gezeigt werden, dass sich stattdessen facettenreiche Beziehungen entwickelten, geprägt von gegenseitiger Kenntnisnahme, Kooperation, Pragmatismus und Konflikten. Historische Quellen belegen unter anderem die vielfältigen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Lagern und ihrer Umgebung und zeigen, wie die Lager als Orte der vermeintlich rechtmäßigen Inhaftierung inszeniert wurden. Nach 1945 setzte dann eine lokale Auseinandersetzung mit der jüngsten Vergangenheit ein, bei der die nachbarschaftlichen Beziehungen sowie das Bild vom Lager als abgeschirmtem Ort eine wesentliche Rolle spielen sollten.


In Braunschweig finden jedes Jahr Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Der beigefügt Prospekt gibt einen Überblick über Vorhaben unterschiedlicher Veranstalter in der ersten Jahreshälfte.

Der gedruckte Prospekt ist in der Gedenkstätte Schillstraße erhältlich.


Sie finden ihn, zusammen mit den älteren Ausgaben, auf der Rundbrief-Seite.

Rundbrief


Die Reichspogromnacht in Peine

Die Ereignisse der Reichspogromnacht in Peine lassen sich sehr genau nachvollziehen. Vor allem die Akten des Nachkriegsprozesses um die Ermordung des 17-jährigen Hans Marburger bieten dazu reichlich Material. In ihnen werden die Tatorte und Täter jener Stunden akribisch dokumentiert. Der Rundgang führt zu den zentralen Stationen des Geschehens: die Polizeiwache als Ort der Planung und Organisation, Wohn- und Geschäftshäuser jüdischer Familien, die zerstört und geplündert wurden, Gaststätten und Geschäfte, aus denen alles beobachtet wurde, die Synagoge als Ort des Mordes und der Brandstiftung. Es wird deutlich, dass die Taten im Zentrum der Kleinstadt Peine und somit vor aller Augen stattfanden. Die Täter waren nicht nur SS-Männer aus Braunschweig, sondern genauso SS-Angehörige aus angesehenen Peiner Familien.

Sonntag
11.11.18
14 Uhr
Treffpunkt: Marktplatz Peine
Führung: Dr. Jens Binner, Kreisheimatbund Peine