Juden im Ersten Weltkrieg: Die „Judenzählung“ 1916

Am 11. Oktober 1916 ordnete das preußische Kriegsministerium eine statistische Erhebung über die Dienstverhältnisse der deutschen Juden während des Krieges an. Der amtliche Titel der Zählung lautete „Nachweisung der beim Heere befindlichen Juden“.
Die Zählung war ein Schlag ins Gesicht aller jüdischen Soldaten und offenbarte, dass der zu Kriegsbeginn offiziell proklamierte „Burgfrieden“ nicht lange hielt.
Die Ergebnisse der Erhebung wurden bis Kriegsende geheim gehalten. Das verstärkte die Ressentiments gegen jüdische Kriegsteilnehmer erheblich.
Erlass und Geheimhaltung seines Resultats galten den Betroffenen und Kritikern des Regierungskurses als Diskriminierung der jüdischen Minderheit.

Der Vortrag von Dr. Martin Liepach vom Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt beleuchtet Vorgeschichte, Hintergründe und Auswirkungen der Zählung.

Donnerstag, den 6.10.2016 um 19.00 Uhr
Gedenkstätte KZ-Aussenlager Schillstraße

 

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Führung über den jüdischen Friedhof in Peine

Der jüdische Friedhof ist Zeugnis der jahrhundertelangen Existenz einer jüdischen Gemeinde in der Stadt Peine. Heute liegt er versteckt, fast vergessen. Dabei lassen sich an ihm die Phasen jüdischer Geschichte in Peine ablesen: ältere Grabsteine erzählen von der Geschichte der Familien und ihrem Bemühen um Etablierung in der Stadtgesellschaft, ein während des Zweiten Weltkrieges angelegtes Feld mit umgebetteten Toten ist Ergebnis von Überlegungen, den Friedhof zu beseitigen, ein Denkmal aus den 1950er Jahren erinnert an die Verfolgung.
Männliche Besucher werden um das Tragen einer Kopfbedeckung gebeten.

Sonntag, 9.10.16, 14 Uhr
Treffpunkt: Eingang des jüdischen Friedhofes in Peine-Telgte, An der Laubenkolonie
Führung: Dr. Jens Binner, 2. Vorsitzender des Kreisheimatbundes Peine.

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Jüdischer Friedhof in Peine vor 1933


Nationalsozialistische Täterschaften – Nachwirkungen in Familie und Gesellschaft

In nicht wenigen Familien stellt die Beteiligung von Eltern oder Großeltern an nationalsozialistischen Verbrechen bis heute eine große Herausforderung dar. Eine Veranstaltung am Mittwoch, den 28.9.2016, um 20.15 Uhr im Gebäude der AOK, Am Fallersleber Tor 3-5, fragt nach den Nachwirkungen solcher Täterschaften.
Oliver von Wrochem, stellvertretender Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, stellt ein von ihm neu herausgegebenes Buch vor, das sich mit der Thematik befasst. Er spricht über den wissenschaftlichen Ertrag für die Täterforschung, die Motivation für die Nachkommen, sich ihrer Familiengeschichte zu stellen und skizziert die Bedeutung der Auseinandersetzung. Barbara Brix berichtet, wie sie mit dem Wissen umgeht, dass ihr eigener Vater als Arzt im Stab einer Einsatzgruppe des Sicherheitsdienstes der SS in die Massenmorde in der Ukraine verwickelt war.
Die Veranstaltung findet in einer Kooperation von Staatstheater und Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße statt. Eine Anmeldung unter 0531/2702565 oder gedenkstaette.schillstrasse@braunschweig.de wird erbeten.

 

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Opfer nationalsozialistischer Verfolgung an der TH Braunschweig

In der Zeit nationalsozialistischer Herrschaft wurden über 50 Angehörige der TH Braunschweig von der Hochschule vertrieben, entlassen oder in anderer Weise diskriminiert oder verfolgt. Sie wurden häufig aus rassistischen, jedoch vorwiegend aus politischen Gründen verfolgt. Opfer waren Frauen wie Männer, Professoren wie Studenten, Arbeiter wie Assistenten. Dabei waren Art und Ausmaß der Verfolgung individuell sehr verschieden, Einzelne wurden sogar ermordet. Der Rundgang führt im zentralen Bereich der Universität zu Orten, an denen die Opfer tätig waren, und beschreibt den NS-Terror, dem sie ausgesetzt waren.

Samstag, 17.9.16, 15 Uhr
Treffpunkt: Altgebäude der TU Braunschweig, Pockelsstr. 4 (an der Stolperschwelle)
Führung: Klaus Oberdieck, Lars Strominski

Stolperschwelle, Freitreppe vor dem Altgebäude der TU

Stolperschwelle, Freitreppe vor dem Altgebäude der TU