Die Lager des Reichsarbeitsdienstes in der Gemeinde Vechelde – Radtour

Samstag, 13.8.22, 14-17 Uhr

Treffpunkt: Bürgerzentrum Vechelde, Hildesheimer Straße 5 (Die Tour endet auch hier)

Führung: Dr. Karl-Gustav Kukoschke, Ortsheimatpfleger Vechelade

Die Fahrradtour umfasst etwa 25 km innerhalb der Gemeinde Vechelde. Hier existierten vor und während des Zweiten Weltkriegs neben der Einrichtung in Vechelade 5 weitere Lager des Reichsarbeitsdienstes RAD. Auf baulicher Ebene gibt es nur noch wenige Reste. Ohne Führung sind sie deswegen nicht mehr erkennbar. Doch jede Anlage und deren Nachnutzung erzählt eine eigene Geschichte. Erstaunliche Fakten kommen dabei zu Tage. Außerhalb der RAD-Organisation gab es weitere Lager.

RAD-Lager Vechelade 1939


Der „Arbeitskreis Andere Geschichte e. V.“ freut sich darüber, dass PD Dr. Nadine Freund als Nachfolgerin von Frank Ehrhardt zum 1. Juni 2022 die Vereinsgeschäftsführung und die Leitung der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße übernommen hat. 

Nadine Freund hat in Kassel Geschichte und Politikwissenschaft studiert und dort 2015 promoviert. Zeitgleich arbeitete sie, im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel, an einer Monografie über die Geschichte der Behörde im Nationalsozialismus. Diese wurde vom Hessischen Wissenschaftsministerium mit dem Wissenschaftspreis für Hessische Geschichte und Landeskunde ausgezeichnet. Bevor sie ihre neue Stelle antrat, war Frau Freund seit 2017 am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München beschäftigt. Als Privatdozentin bleibt sie an der Universität Kassel in das Fachgebiet ‚Westeuropäische Geschichte‘ eingebunden. Sie forscht und lehrt unter anderem zur Regionalgeschichte sowie zur Erinnerungskultur und legt besonderen Wert darauf, Studierenden Forschungs- und Berufsmöglichkeiten im Bereich der Regionalgeschichte näherzubringen.

Sie sieht sich als Vermittlerin in der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen zu den Themen des gesamten 20. Jahrhunderts, mit denen sich der Arbeitskreis Andere Geschichte e. V. beschäftigt. Sie ist sich bewusst, dass das Engagement der in den 1980er Jahren entstandenen Geschichtswerkstätten, mit kritischer Zielsetzung und mit beeindruckendem zivilgesellschaftlichem Engagement ‚Andere Geschichte‘ zu betreiben, von unschätzbarem Wert für die Demokratie in Deutschland war und bleibt: 

„Nicht zuletzt auf der Grundlage der Arbeit der Geschichtswerkstätten gelang es, eine revisionistische Wende in der Geschichtspolitik der BRD abzuwenden. ‚Sozialgeschichte‘ fristet heute, auch dank Initiativen wie dem Arbeitskreis Andere Geschichte e. V., kein randständiges Dasein mehr. Vor dem Hintergrund einer immer stärker auseinanderklaffenden Schere zwischen ‚Arm‘ und ‚Reich‘ lohnt es sich jedoch, den Blick weiterhin auf gesellschaftliche Ungleichheiten in Geschichte und Gegenwart zu richten und für eine gerechte und offene Gesellschaft einzustehen. Heute ist zivilgesellschaftliches Engagement mehr denn je gefragt, um dem Rechtsruck in der Gesellschaft zu begegnen und sich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zu positionieren.“ 

In diesem Sinne freut sich Nadine Freund auf neue Projekte des Arbeitskreises, die ‚den Finger in die Wunde legen‘ und einer breiten Öffentlichkeit zeigen, was zivilgesellschaftliches Engagement zu leisten im Stande ist.

Die Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsarbeit der Gedenkstätte, die ihren Focus auf die NS-Geschichte in Braunschweig legt, möchte die neue Leiterin voranbringen, indem sie auch auf Tagesaktualität setzt – beispielsweise, was geschichtsverzerrende Bilder im Zuge des Krieges gegen die Ukraine oder der Corona-Proteste betrifft. Die Arbeit soll zukünftig auch stärker interregionale, beziehungsweise Aspekte der vergleichenden Regionalforschung in den Blick nehmen. Damit sollen auch die Beziehungen des Arbeitskreises und der Gedenkstätte zu den Nachbarregionen gestärkt werden. Zudem strebt Nadine Freund eine engere Zusammenarbeit mit der Hochschulforschung und -lehre an und hofft, auf diese Weise auch das Interesse junger Erwachsener am Arbeitskreis fördern zu können. Weitere Zielgruppen möchte sie nicht zuletzt über berufsbezogene Vermittlungsangebote ansprechen. Schließlich hat sie sich eine stärkere Digitalisierung der Arbeit von Arbeitskreis und Gedenkstätte zum Ziel gesetzt.


Überall in Braunschweig – Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg

Samstag, 30.7.22 + 24.9.22, 15 Uhr, Treffpunkt: Gedenkstätte Schillstraße, Schillstraße 25, Führung: Gerald Hartwig

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Millionen Menschen aus verschiedenen Ländern im Deutschen Reich zur Zwangsarbeit eingesetzt, die keine KZ- Häftlinge oder Kriegsgefangene waren. Tausende von ihnen kamen auch nach Braunschweig, wo sie u.a. in Industriebetrieben, für die Deutsche Reichsbahn und in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Wie sah ihr Alltags- und Arbeitsleben aus? Welchen diskriminierenden Vorschriften waren sie unterworfen? Was gab ihnen Hoffnung? In der Gedenkstätte Schillstraße wird nach einer Einführung anhand von Erinnerungsberichten und Fotografien aus der Sammlung des Arbeitskreises diesen Fragen nachgegangen. Anschließend besuchen die Teilnehmenden die Gedenkstätte Friedhof Hochstraße (ca. 15 Min. Fußweg). Dort wurden neben mehr als 380 Zwangsarbeiter*innen auch über 150 polnische Kinder bestattet, die im „Entbindungsheim für Ostarbeiterinnen“ in der Broitzemer Straße gestorben waren.

Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt, so dass zwei Termine angeboten werden.
Anmeldung bis zum 28.7.22 bzw. 22.9.22 
unter: gedenkstaette@schillstrasse.de oder 0531- 2 70 25 65

Polnische Zwangsarbeiter*innen mit Säugling, ca. 1944

Jödebrunnen und Kontorhaus

Samstag, 16.7.22, 15 Uhr, Treffpunkt: Kontorhausweg/Jödebrunnen, Führung: Udo Gebauhr

Der Jödebrunnen wurde 1345 erstmals urkundlich erwähnt. Sein Quellwasser versorgte die Brunnen auf dem Altstadtmarkt und dem Kohlmarkt über 500 Jahre lang mit Frischwasser. Die Umfassungswände dieses Baudenkmals wurden 2014/15 saniert.
Das Kontorhaus wurde 1899 am Jödebrunnen als Chefbüro der benachbart gelegenen Firma Brachvogel errichtet. Nach der kürzlich abgeschlossenen Sanierung übernimmt der Verein Kontorhaus am Jödebrunnnen den Betrieb und die Unterhaltung dieses baulichen Unikats.

Jödebrunnen mit Kontorhaus 2022