zu einem Nachmittags-Ausflug nach Hannover lädt der Arbeitskreis Andere Geschichte e.V. am Freitag, den 27. September 2019, ein. Ziel sind zwei aktuelle Beiträge zur Vermittlung von Zeit- und Kulturgeschichte.

Der Traum vom neuen Leben – Niedersachsen und das Bauhaus

In diesem Jahr feiern Museen und Galerien 100 Jahre Bauhaus. Meist erzählen sie Geschich­ten von Frauen und Männern, die für die gute Seite der Moderne eingetreten sind und deren Ideen der Nationalsozialismus zerstörte. Die Ausstellung „Der Traum vom neuen Leben – Niedersachsen und das Bauhaus“ im Niedersächsischen Landtag in Hannover zeigt: Einige Bauhäusler gingen ins Exil, wurden Vorbilder für Zivilcourage. Doch die Mehrzahl blieb, passte sich dem NS-Regime an, einige unterstützten und prägten es auch. So fanden mehre­re Absolventen des Bauhauses Arbeit bei den Reichswerken Hermann Göring, einem führen­den Rüstungsproduzenten in Salzgitter. Viele Biografien waren ambivalent – beispielsweise die des für Braunschweig wichtigen Künstlers und Leiters der Formsammlung, Walter Dexel. Dr. Stefanie Waske, Mitglied im Arbeitskreis, wird uns durch die Ausstellung führen, die sie kuratiert hat, und erklären, was sich hinter dem Traum vom neuen Leben verbirgt.

Der Landtag ist auch Ausgangspunkt für eine zweite Ortserkundung:
 

Albrecht – wir kommen!

Treck(er) nach Hannover – Gorleben und die Bewegung zum Atomausstieg

Es war vermutlich eine der größten Kundgebungen, die Hannover je erlebte: Am 31. März 1979 versammelten sich rund 100.000 Menschen zu einer Kundgebung gegen die damalige Atompolitik. Anlass war die geplante Errichtung eines nuklearen Entsorgungszentrums bei 

Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Ein „Treck“ von mehreren hundert Landwirten auf Traktoren war bereits am 25. März im Wendland gestartet und traf in der Landeshaupt­stadt ein.

Der Jahrestag dieses markanten Ereignisses war im März 2019 Anlass für eine Ausstellung im Historischen Museum Hannovers, die mit Zeitzeugeninterviews und Exponaten informierte. Diese Präsentation ist zwar beendet, aber ein Projektpartner, das Institut für Didaktik der Demokratie an der Leibniz-Universität arbeitet weiter daran, die Bedeutung von politischer Teilhabe in der repräsentativen Demokratie zu verdeutlichen. So ist ein digitaler Rundgang „Demokratie auf der Spur“ in Arbeit. Karolin Quambusch, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, wird uns zu Schauplätzen der damaligen Ereignisse führen und mit uns diskutieren, wie Demokratiegeschichte stadträumlich veranschaulicht werden kann.

Sie sind gerne dazu eingeladen, mit uns zu diesem Ausflug zu starten. Wir treffen uns im Braunschweiger Hauptbahnhof am Freitag, 27. September, um 13.00 Uhr beim Informations­desk in der Vorhalle, nutzen die Möglichkeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs, um nach Hannover zu gelangen. Die verabredeten Besichtigungsorte in der Landeshauptstadt können wir zu Fuß erreichen und kommen mit der Eisenbahn etwa um 19.00 Uhr nach Braunschweig zurück. Eine Kostenumlage von 10 € wird während der Fahrt erhoben.

Bitte melden Sie sich unter andere_geschichte_braunschweig@t-online.de mit Namen und Adresse zu der Fahrt an, oder rufen Sie uns unter 0531 2702565 in der Gedenkstätte Schill­straße zur Anmeldung oder bei Rückfragen an.



Ein Martha Fuchs-Rundgang in der Innenstadt

Martha Fuchs hat nicht ganz 50 Jahre in Braunschweig gelebt und hat hier sowohl vor der nationalsozialistischen Zeit als auch nach dem Zweiten Weltkrieg politisch gewirkt. Der Höhepunkt ihres Schaffens war ihre Zeit als Oberbürgermeisterin von Braunschweig. Der geplante Rundgang wird uns zu Plätzen führen, die etwas mit ihr zu tun haben; u.a. wird uns der Weg zum Volksfreundhaus, ins Magniviertel, zum Theater, zum Großen Waisenhaus, ehemaligen Landtag, zum Rathaus, zur Bezirksregierung und zum „Schloss“ führen.

Samstag, 14.9.19, 15 Uhr Treffpunkt: Volksfreundhaus an der Ecke Ackerhof (Schloßstraße / Ecke Ölschlägern) Führung: Regina Blume

Oberbürgermeisterin Martha Fuchs



Hochschulhistorische Spuren entlang der Pockelsstraße

Der Rundgang mit Kurzvortrag und Ausstellungsführung widmet sich Spuren der Braunschweiger Hochschulgeschichte auf dem Weg zwischen TU- Altgebäude und Haus der Wissenschaft. Selten gezeigte Fotos und Filmausschnitte machen Teile der Vergangenheit dieses Ortes anschaulich. Beleuchtet wird besonders die Geschichte des Gebäudes und Grundstücks des Hauses der Wissenschaft – vielen noch als Kant-Hochschule oder kurz „PH“ bekannt. Den Abschluss bildet eine Führung durch die 2016 eröffnete Dauerausstellung „Vom Kleinen Exer zum Haus der Wissenschaft“ über die Geschichte des Gebäudes, in dem sich bis 1978 die Pädagogische Hochschule und ursprünglich die nationalsozialistische Bernhard-Rust-Hochschule für Lehrerbildung befanden.

Donnerstag, 5.9.19, 15.30 Uhr Treffpunkt: Treppe vor dem TU-Altgebäude, Pockelsstraße 4
Führung: AG Hochschulgeschichte

Die Pockelsstraße im Jahr 1913, rechts die Technische Hochschule

Am 18. August 1944 trafen in Braunschweig 126 Häftlinge aus dem Hamburger Konzentrationslager Neuengamme ein. Es waren Männer aus Frankreich, aus der Sowjetunion und wenige Deutsche. Sie sollten ein Lager an der damaligen Schillstraße aufbauen und den Arbeitseinsatz bei der Firma Büssing vorbereiten. Sie waren die ersten KZ-Häftlinge in der Braunschweiger Kriegswirtschaft. Bald folgten weitere Transporte.

Die Vorkommnisse vor 75 Jahren sind Anlass für mehrere Veranstaltungen. Der Auftakt findet am

Freitag, 16.8.2019, 16.30 Uhr, in der

Stadtbibliothek, Blauer Saal, Schlossplatz 1 statt.

Es spricht zur Begrüßung Dr. Anja Hesse, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft. Es folgen zwei Beiträge:

Arbeit und Gewalt – die Außenlager des KZ Neuengamme

Vortrag von Dr. Marc Buggeln

Die Arbeitskraft der KZ-Häftlinge bildete eine der letzten „verfügbaren Reserven“ für die deutsche Kriegswirtschaft. Etwa 40.000 Häftlinge waren Ende 1944 in den 85 Außenlagern des KZ Neuengamme eingesetzt. Dr. Marc Buggeln, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität Berlin, beschreibt die Unterschiede der Lager und der in ihnen herrschenden Lebensbedingungen und ordnet das Büssing-Lager so in das System der Arbeitskommandos ein.

„Bei Büssing, dem König von Braunschweig“

Vortrag von Janine Doerry

Der französische Arzt Georges Salan wurde 1944 als Mitglied des Widerstands in Südfrankreich festgenommen und in das Konzentrationslager Neuengamme deportiert. Er kam als Lagerarzt nach Braunschweig. Salan war ein reflektierter und kritischer Zeitzeuge, der bereits 1946 seine Erinnerungen veröffentlichte. Janine Doerry, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht in und bei Osnabrück, stellt das Buch im Kontext der französischen Erinnerungskultur vor.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Braunschweig statt.

Die weiteren Veranstaltungen finden Sie hier: